NEUES BÜNDNIS

Straße, Spiel und Nachbarschaft

Berlin hat seine erste offizielle Temporäre Spielstraße – und die liegt nicht in Prenzlauer Berg, sie liegt in Kreuzberg. Dass sie nicht die einzige bleibt und auch die hiesigen Straßenzüge zeitweise für Spiel und Begegnung gesperrt werden, dafür streitet nun ein landesweites Bündnis.

 

Kreuzberg macht es Prenzlauer Berg vor, die Nachbarn sind wieder mal konsequenter, wenn es um Innovationen geht. Ende Mai gab es das erste Mal eine Momentaufnahme, an die sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Böckhstraße künftig gern gewöhnen: Kinder spielen fröhlich auf der Straße, Stühle werden rausgeholt, NachbarInnen plaudern. Mitten auf der Straße, da, wo sonst Autos parken.

Anlass der zeitweisen Abwesenheit von motorisiertem Verkehr war der Besuch eines Fernseh-Teams des rrb. Es filmte die Idylle und konnte in der Abendschau davon berichten, dass die Böckhstraße im Kreuzberger Graefekiez die erste Temporäre Spielstraße Berlins wird. Ab dem 7. August diesen Jahres ist die Straße regulär jeden Mittwochnachmittag von 14 bis 18 Uhr dem Spielen und der nachbarschaftlichen Begegnung gewidmet. Die entsprechende Beschilderung, eine mobile Absperrung und einige freiwillige Ordner werden für die Sicherheit sorgen. Für durchfahrende Fahrzeuge inklusive Fahrräder ist die Straße dann gesperrt und die Halter parkender Autos sind dazu aufgefordert, in der Zeit woanders zu parken.

Spielstraßen in Berlin
Ab August darf im Kreuzberger Graefekiez einmal wöchentlich direkt auf der Straße gespielt werden. Foto: BTS

Das in der Böckhstraße bald regelmäßig zu erlebende Bild sollte nach Ansicht des Berliner Bündnisses Temporäre Spielstraßen in möglichst vielen Kiezen vorzufinden sein. Deshalb macht sich das im März 2019 gegründete Bündnis gegenüber Politik und Verwaltung dafür stark, das Prozedere zur Umsetzung einer Temporären Spielstraße berlinweit einfach und einheitlich zu gestalten. Denn die InitiatorInnen sind überzeugt, dass die einfache Idee der Temporären Spielstraße ein wichtiger Impuls für eine lebenswerte Stadt sein kann.

Ein Vorbild ist für die Aktiven die Stadt London. In der britischen Hauptstadt wurden innerhalb von drei Jahren über 100 Temporäre Spielstraßen geschaffen. Die Verwaltung zog mit, das Antrags- und Genehmigungsverfahren ist einfach und geht schnell. Um dies auch in Berlin zu erreichen, möchte das Bündnis Temporäre Spielstraßen alle, die interessiert sind ermutigen, aktiv zu werden. 

An bereits existierenden Initiativen mangelt es in Berlin nicht und hier ist wiederum Prenzlauer Berg in einer Vorreiterrolle: Ob in der Templiner, in der Gethsemane- oder in der Gudvanger Straße: überall sind Eltern, NachbarInnen, Menschen aus Kindertagesstätten und Schülerläden aktiv. Alle diese Nebenstraßen sollen zeitweise für Spiel und Begegnung genutzt werden dürfen. Die Gudvanger Straße durfte schon mal, bis Nachbarn sich beschwerten – seitdem harrt die Straße weiterhin der Bespielbarkeit („Prenzlberger Ansichten“ berichtete).

Auch für die Gudvanger Straße gilt deswegen das Plädoyer des Bündnisses: „Wenn es in Berlin ein klar definiertes, einfaches Antragsverfahren für Temporäre Spielstraßen gäbe, könnte der Leitfaden für die Umsetzung sehr knapp ausfallen und es genügten vier einfache Schritte: Gleichgesinnte NachbarInnen finden; Genehmigung einholen; die gesamte Nachbarschaft informieren – auf der Straße spielen.“

-red-, Juli 2019

Mehr auf: www.spielstrassen.de