AUF SHIA-INITIATIVE

Netzwerk für Alleinerziehende

Ein unterstützendes Netz für Alleinerziehende. Verschiedene Einrichtungen in Pankow wollen sich zusammenschließen, um Single-Eltern bessere Beratung und Hilfe zu bieten. Eine Kooperationsvereinbarung mit dem Bezirksamt ist der erste Schritt zu diesem Netzwerk.

Ein kleiner offizieller Akt, dem große Schritte folgen sollen. Vor wenigen Tagen unterzeichneten Martina Krause von SHIA, der SelbstHilfeInitiative Alleinerziehender, und Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn eine Kooperationsvereinbarung. Die Fachleute der Initiative und der Verwaltung wollen künftig zusammenarbeiten. Sie bauen gemeinsame Strukturen auf bzw. verstärken diese, damit Single-Müttern und -Vätern und ihren Kindern schneller, unkomplizierter geholfen werden kann – sei es mit Beratung, mit Workshops, mit Fragen rund um Kinderbetreuung, -erziehung oder Berufsleben. Ein Netzwerk allein für Alleinerziehende.

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Allein in der Elternverantwortung und oft benachteiligt: Ein neues Netzwerk in Pankow soll Alleinerziehende besser unterstützen. Foto: pixabay

Es sind vor allem Mütter in Pankow, und es sind nicht wenige. In knapp einem Drittel aller Haushalte in Pankow leben alleinerziehende Frauen, so das Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsstudie. Die Mehrheit von ihnen sind Akademikerinnen, um die 35 Jahre alt, berufstätig, mit einem Kind. Sie sind oft wegen des Jobs nach Berlin gezogen, ohne familiäre Beziehungen zu Eltern, Geschwistern oder anderen Angehörigen vor Ort. Wesentliche Elemente ihres Alltags: Zeitdruck; Zerrissenheit zwischen Kind, Job, Haushalt; Einsamkeit in Verantwortung und Entscheidungsfindung. Und auch finanzielle Nöte. Bezirksbürgermeister Sören Benn spricht auch von Vorurteilen, mit denen sich Alleinerziehende konfrontiert sehen, weil sie nicht dem „tradierten Standardmodell familiären Lebens“ entsprächen. Viele Angebote seien auf Paar-Eltern und ihre Kinder zugeschnitten, Alleinerziehende würden oft noch zu wenig berücksichtigt. 

Der SHIA-Verein bietet seit über 30 Jahren vielfältige Erleichterungen und Hilfen für Alleinerziehende an: Von Workshops und Beratung bis hin zu Stammtischen oder Ausflügen. Damit ist SHIA in Pankow nicht allein. Auch andere Initiativen engagieren sich. Was fehlt, ist eine effiziente Verbindung, zum Beispiel zu staatlichen Einrichtungen, zur Arbeitsagentur oder zu Wirtschaftsunternehmen. Das neue Netzwerk soll „Lücken schließen, um Alleinerziehende schneller und passgenauer zu unterstützen“, so Martina Krause. SHIA, seit 1990 von Prenzlauer Berg aus landesweit für Alleinerziehende engagiert, ist nun Träger des neuen Netzwerkes. 

Die Kooperationsvereinbarung zwischen der Selbsthilfe-Initiative und dem Bezirk ist die erste schriftliche Verabredung dieser Art in Berlin. Nun folgt die konkrete Arbeit. Eine neue Koordinatorin in der Geschäftsstelle der Selbsthilfe-Organisation soll das Netzwerken im Wesentlichen steuern. Als nächste Schritte sind regelmäßige Treffen von bezirklichen Arbeitsgruppen geplant. Ihr Themenspektrum ist vielfältig: Existenzsicherung durch Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung, Wohnen, Gesundheit und Entlastung sind einige der offenen Fragen. Nach der Analyse sollen entsprechende Dienstleistungsketten geschaffen werden – die Stränge des Netzwerkes.

-red-

Mehr zu SHIA: www.shia-berlin.de