KOLLWITZ-KIEZ

Raum für die junge Bühnen-Generation

Hier spielt die neue Bühnen-Generation: Im bat-Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Seit knapp drei Jahren spielt sie auch in einem neuen Haus am alten Standort in der Belforter Straße. Ein Zukunftsraum zum Ausprobieren.

Die Diskussionen, wo in Berlin die renommierteste Schauspielschule der Hauptstadt ihren neuen Standort haben sollte, zogen sich viele Jahre hin. Klar war bereits um das Jahr 2010, dass die Ausbildungsstätte für Regie, Schauspiel, Tanz und Puppenspiel einen anderen Sitz als den in Schöneweide brauchte, damit alle Studiengänge der „Ernst-Busch“-Schule unter einem Dach unterrichtet werden konnten. Für eine Schule, die genreübergreifend lehrt und arbeitet, eine künstlerische Notwendigkeit.

Dann traf der Berliner Senat die Entscheidung, dann begannen Arbeiten auf zeitweise zwei Baustellen. Die ehemaligen Opernwerkstätten in der Zinnowitzer Straße in Mitte wurden der neuen Zentralstandort   der „Ernst Busch“. Und das alte, angestammte bat-Studiotheater in der Belforter Straße erhielt in eineinhalb Jahren Umbauzeit ein neues Gesicht – innen und außen. Seit Mai 2017 wird hier nun wieder gespielt, proben die Studierenden hier, stellen ihre Experimente, freien Arbeiten, Abschlussinszenierungen öffentlich vor.

Lange Zeit war nicht klar, ob die Hochschule ihr Studiotheater in der Belforter Straße überhaupt behalten darf. Entscheidend waren schließlich die Kosten. Das vom Berliner Senat für den neuen Hochschulbau bereitgestellte Geld reichte nur für zwei Studiobühnen in der Zinnowitzer Straße. Es war günstiger, das „bat“ im Kollwitz-Kiez zu sanieren, als die benötigte dritte Bühne andernorts zu schaffen. 

BauarbeiterInnen zogen im Januar 2016 in das um 1890 errichtete Gebäude, das leicht zurückgesetzt an der Belforter Straße liegt. Ein Gebäude, das neben seiner Bauhistorie auch die Geschichte der „Busch“- Hochschule in sich trägt. Namen wie Wolf Biermann und Jürgen Gosch sind mit ihm verbunden. Renommierte Schauspielerinnen und Schauspieler wie Nina Hoss, Lars Eidinger und Sandra Hüller haben als Studierende hier erstmals vor Publikum gespielt. Das „bat“ war und ist Identifikationsort für alle Mitglieder der Hochschule.

bat Studiotehater Berlin Prenzlauer Berg
Hier probt die junge Generation: Das „bat-Studiotheater“ der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Foto: al

Die marode Bausubstanz aber blieb, zudem Anforderungen an eine moderne, barrierefreie Spielstätte. Die ist es geworden. 

Der Zugang für die Besucherinnen und Besucher ist barrierefrei. Das „Durcheinander“ in Innenbereich, ein Durcheinander aus vorspringenden Wänden, platzraubenden Treppen und vielen kleinen Räumen, wurde beseitigt. Es entstand ein großzügiger, wandelbarer Innenbereich – öffentlicher Teil und nichtöffentlicher Teil sind nun getrennt. Im Foyer haben alle ZuschauerInnen ausreichend Platz, eine Bar lädt zum Verweilen vor und nach dem Spiel. Ein Ort zum Bleiben ist entstanden - vor der Sanierung war das Foyer so eng, dass das Publikum oft draußen auf den Vorstellungsbeginn warten musste. 

Profitiert von der Sanierung hat auch das Herzstück des Hauses: Die Bühne. Der Theatersaal, dem die frühere Nutzung als Kino noch anzusehen war, erhielt ein komplett neues Gesicht. Der Saal wurde von allen Einbauten samt der festen Bestuhlung befreit und entspricht nun dem Modell einer black box – eines leeren Raums, der auf vielfältige Weise nutz- und bespielbar ist. Der Raum wurde größer, Bühnenflächen sind überall im Raum möglich, das Publikum kann mittendrin, am Rand oder im Kreis um die Spielenden sitzen. Damit bietet diese flexible Bühne Raum für viele Spielformen. Die  Hochschule wollte bewusst  diese andere Art von Theatersaal als die im Haupthaus entstandenen Studiobühnen. Die Möglichkeiten des Spiels für die Studierenden sind mit der black box im bat-Studiotheater vielfältiger – die Ausbildung insgesamt kann dadurch umfassender gestaltet werden.

Die nächste Premiere auf der Zukunftsbühne „bat“: „The People“ nach Henrik Ibsens „Ein Volksfeind“ – die Diplominszenierung der Regiestudentin Friederike Hirz am 27. Februar.

-red-, Febr. 2020